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Wie geht es mit der Abfallentsorgung in Hamminkeln weiter? Eine Geschichte mit vielen Kapiteln


Kapitel 4: Verursacht das Wiegesystem höhere Kosten als das Volumensystem?


Sicherlich ist diese Frage nicht einfach zu beantworten. Es gibt aber einige Argumente und Fakten, die unterstreichen, dass das wahrscheinlich ist.

Zunächst sind da die besondere Ausstattung der Entsorgungsfahrzeuge und der Behälter zu nennen. Die Wiegetechnik kostet je Fahrzeug ca. 25.000 € netto. Ebenso müssen alle Behälter mit Transpondern ausgestattet werden. Auch das ist nicht zum Nulltarif zu bekommen.


Noch entscheidender dürfte aber sein, wie sich die Behälterzahlen bei Umstellung des Systems entwickeln. Die vom Unternehmen zu leerende Behälterzahl ist bei der Preisfindung entscheidend, weil insbes. der personelle Aufwand bei der Entsorgung von der Anzahl der zu schüttenden Behälter abhängt. Die Zahl der Müllbehälter ist in Hamminkeln relativ hoch, weil an vielen Mehrfamilienhäusern pro Wohnung ein Abfallgefäß (in der Regel 120 l) steht. Der Grund hierfür ist, dass jeder Haushalt sein eigenes Wiegeergebnis haben möchte.

Die von der Verwaltung auf unserer Anfrage genannten Zahlen belegen dies. So gibt es 345 Grundstücke mit zwei 120 l-Gefäßen und 114 Grundstücke mit sechs oder mehr Behältern. Mit drei, vier und fünf Behältern kommen noch mal 208 Grundstücke hinzu.

Dies ergibt ein Einsparpotential von bis zu 1.000 Behältern gegenüber dem Volumensystem, weil hier keine Zuteilung von Behältern pro Wohnung mehr notwendig ist.


Das wichtigste Argument dafür, dass das Wiegesystem teurer ist, liefert allerdings der Gebührenvergleich z. B. mit Schermbeck (ebenfalls eine Flächengemeinde mit Drittbeauftragung). Eine 3-köpfige Familie zahlt dort für eine 60 l Restmülltonne (Leerung alle 2 Wochen 122,40 € pro Jahr. Kommt eine 120 l- Biotonne hinzu, 182,40 €. In Hamminkeln zahlt eine 3- köpfige Familie im Mittel 201,94 € und das ohne Biotonne. Den Bioabfall muss man dort selbst zur Sammelstelle fahren. Warum soll es nicht in Hamminkeln gelingen, ähnliche Gebühren zu erzielen? In Schermbeck fallen pro Jahr zwar 100 kg je Person mehr Abfälle an als in Hamminkeln. Dafür müssen dort knapp 150.000 Euro pro Jahr mehr Verbrennungskosten an den Kreis Wesel gezahlt werden als Hamminkeln, dennoch können diese Mehrkosten kompensiert werden. Ein entscheidender Faktor können hier nur die Unternehmerkosten für das Einsammeln der Abfälle sein.

Das Wiegesystem wird in NRW lediglich in 17 von knapp 400 Städten und Gemeinden praktiziert. Dass das so wenige sind, wird seinen guten Grund haben.

Demnächst:

Kapitel 5: Windel und Bioabfälle selbst transportieren. Ein guter Service? Muss eine Biotonne teuer sein?

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